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Widerstand erforderlich? – Identitäts- und Geschlechterkämpfe im Horizont von Rechtspopulismus und christlichem Fundamentalismus in Europa heute

 

Grazer Kooperationspartnerin: MMag. Dr.in Rita Perintfalvi, Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft 
Junior Fellow: Raphaela Hemet, MA

Incoming Senior Fellow: PD Dr.in Sonja Strube, Institut für Katholische Theologie, Universität Osnabrück
Incoming Junior Fellows: Cicek Sahbaz, MA (Universität Wien), Miriam Metze, MA (Universität Wien)

Zeitraum: Oktober 2019 bis September 2020
Symposium: 25. bis 27. März 2020

Inhalt:

Derzeit erleben wir in Europa und darüber hinaus in einem seit 1945 nicht mehr gekannten Maße das Umsichgreifen rechtspopulistischer Einstellungen und den Einfluss rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen, deren Ziel die Umwandlung moderner menschenrechtsbasierter Demokratien in illiberale, völkisch-identitär geschlossene, homogene Gesellschaftsformen, ggf. mit einzelnen populistisch ausbeutbaren Elementen direkter Demokratie, ist. Das Streben nach identitärer Homogenität geht mit einer aggressiven Ablehnung aller als „Andere“ konstruierten Menschengruppen einher, verlangt zugleich einen möglichst umfangreichen Zugriff auf Fortpflanzung durch Reproduktions- und Geschlechterpolitiken und attakiert daher sexuelle Minderheiten, emanzipatorisch-menschenrechtsorientierte Bewegungen sowie die wissenschaftlichen Gender Studies. Innerhalb des Spektrums der Extremen Rechten spielt dieser mit dem Terminus „Anti-Genderismus“ (Villa/Hark) bezeichnete Aktionismus gegen Geschlechtergerechtigkeit und Antidiskriminierung zudem eine bedeutsame Rolle als in populistischer Weise emotional aufladbares strategisches Brückenthema und Scharnier in bürgerlich-konservative bzw. sich christlich(-fundamentalistisch) verstehende gesellschaftliche Milieus sowie in die Kirchen, das zugleich innerhalb des rechten Spektrums anschlussfähig bleibt an nationalistische, völkische und rassistische Politiken. Über antigenderistische Aktionen gelangen in vielen europäischen Ländern bislang beispiellose milieu-übergreifende Vernetzungen. Beim Anti-Genderismus handelt es sich nicht um einen bloßen „konservativen backlash“, sondern er bedroht den nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Grundlage der Menschenrechte entstandenen politischen Konsens. Für seine illiberalen politischen Akteure wurde der Begriff „Gender-Ideologie“ zu einer Metapher für Unsicherheiten und Ungerechtigkeiten, die sich aus aktuellen gesellschaftlich-wirtschaftlichen Situationen ergeben; hier verdichten sich antieuropäische, antiliberale, antikommunistische und homophobe Ressentiments. Konkrete Einflüsse des Anti-Genderismus auf die Politiken verschiedener EU-Mitgliedstaaten sind bereits seit Jahren zu erkennen, insbesondere in einigen östlichen und südöstlichen Ländern Europas. Folgen politischer Einflussnahme aggressiv-religiöser fundamentalistischer Bewegungen wiederum lassen sich am Beispiel der USA studieren.

Das konkrete Forschungsprojekt fokussiert das Zusammenspiel politischer, religiöser und moralischer Argumentations- und Agitationsmuster, die ggf. länderspezifisch zu untersuchen und länderübergreifend zu vergleichen sind. Aufgrund der geographischen Lage von Graz bietet es sich an, Gender-Forscher*innen aus Deutschland, Österreich sowie den angrenzenden Ländern der „Visegrád-Staaten“, Slowenien und Kroatien interdisziplinär zusammenzuführen, zumal die gesellschaftliche Resonanz auf Anti-Genderismus teilweise entlang einer unsichtbaren Ost-West-Grenze (mitten durch Deutschland) zu verlaufen scheint. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Anti-Genderismus im Schnittfeld zwischen Rechtspopulismus und religiösem Fundamentalismus ist in jedem Fall interdisziplinär anzulegen und erfordert gleichermaßen politik- und sozialwissenschaftliche, sozialpsychologische, theologische und philosophische Zugänge.

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