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Traumgeburt oder Geburtstrauma? Zum neuen Unbehagen an der Geburt

Grazer Kooperationspartner: Univ.-Prof. Dr. Stephan Moebius, Institut für Soziologie
Junior Fellow: tba

Incoming Senior Fellow: Dr.in Sabine Flick, Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Incoming Junior Fellows: Friederike Hesse, Franziska Marek

Zeitraum: Juni 2020 bis Mai 2021
Symposium: voraussichtlich Jänner 2021

Inhalt:

Seit wenigen Jahren engagieren sich Aktivist*innen der so genannten „Roses Revolution“ gegen geburtshilfliche Gewalt in Europa. Sie beziehen sich dabei auf Erfahrungen respektlosen Umgangs und ungerechtfertigter Behandlung bis hin zu körperlicher Misshandlung, die Frauen unter der Geburt erleben. Während die WHO dazu bereits ein Statement veröffentlicht hat, die Diskussionen um ‚Black Birthing Justice‘ in den USA auf rassistische Strukturen auch in der Geburtshilfe hinweisen und in einigen lateinamerikanischen Ländern geburtshilflichen Gewalt sogar bereits als Rechtsgegenstand verhandelt wird, hat die Debatte in Europa gerade erst begonnen.

Interessanterweise konzentriert sich die europäische, insbesondere deutschsprachige Diskussion stark auf die psychischen Aspekte der Erfahrungen mit geburtshilflicher Gewalt. Mütter, Doulas und Hebammen beschreiben traumatische Erlebnisse während der Geburt und leiten Folgeprobleme beim Stillen, Depressionen und Bindungsprobleme mit dem Säugling aus diesen Traumata ab. Das gemeinsame Vorhaben untersucht vor dem Hintergrund sich formierender Kritiken an gegenwärtigen Bedingungen unter der Geburt, welche gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse der Geburt in einer geschlechtertheoretischen Perspektive wirksam sind. Vorstellungen von Normalität im Hinblick auf die Geburtserfahrungen scheinen sich zu verschieben hin zu einer Aufladung der Geburt mit Selbstverwirklichungsansprüchen und somit einem Umschlag zur Geburt als Projekt. Das Geburtserleben wird als quasi transzendente Erfahrung aufgeladen und gerät somit zum biografischen Ereignis. Diese enorme Aufladung des Geburtsgeschehens könnte womöglich dazu beitragen, dass der idealisierte Ablauf durch die reale Klinikerfahrung kontrastiert und gegebenenfalls enttäuscht wird, was dann als traumatisch und/oder gewaltvoll erlebt wird. Zu dieser Entwicklung gehört eine paradoxe Gleichzeitigkeit der Zunahme der Autonomie der Schwangeren und Gebärenden, was Wahlfreiheit und Möglichkeiten zur Geburt angeht, bei ihrer gleichzeitigen Responsibilisierung. Dieser Wandel im Erleben, der Artikulation und den konkreten Bedingungen für Geburt wird im Projekt untersucht.

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