nice* – Mikro-Interventionen für eine geschlechtergerechte #Stadt
Multimodale Methoden der Erhebung, Analyse, Repräsentation und Kreation
Grazer Senior Fellow: Assoz. Prof.in Dr.in Judith Laister, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie
Local Junior Fellow: Nayarí Castillo Lic. Lic. MFA MSc., Sabrina Stranzl, BA MA
Incoming Senior Fellow: Dr.in Judith Albrecht, HU Berlin, Webster Universität Wien, Institut für Europäische Ethnologie
Incoming Junior Fellow: Isabella Hesse, BA MA, Universität Wien
Wissenschaftliche Kooperationen Universität Graz: Univ.-Prof. Mag. Dr.phil. Heidrun Zettelbauer (Institut für Geschichte/Kultur und Geschlechtergeschichte), Assoz. Prof. Chiara Zuanni, PhD (Institut für Digitale Geisteswissenschaften)
Wissenschaftliche Kooperationen (inter)national: Brigitte Temel, BA MA (Institut für Konfliktforschung Wien), Ruth Dorothea Eggel, BA MA (TH Köln, Cologne Game Lab (CGL)), Univ.-Prof. Dr. Alexa Färber (Universität Wien, Institut für Europäische Ethnologie), Martina Maria Röthl, PhD (Universität Kiel),
Künstlerisch-forschende Kooperation: Daniela Brasil, PhD (Graz)
Zeitraum: Juni 2025 bis Dezember 2026
Projektbeschreibung
nice* steht als Kürzel für Network for gender equal micro Interventions in Cities and on Earth. Zudem kombiniert nice* den jugendsprachlichen Ausdruck für „großartig, toll, von guter Qualität“ mit dem Genderstern und steht in dieser Adaption für „geschlechtergerecht“. Der Hashtag vor Stadt markiert die transmediale Präsenz der Mikro-Interventionen in/zwischen physisch- materiellem und digitalem Raum.
Projektbeschreibung
Flashmobs gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Stencils für Grrrls Power, gekritzelte Symbole von Geschlechtsteilen, queere Ampelpärchen, Ankreiden von Catcalls, Sticker zur öffentlichen Anklage von Femiziden, Regenbogen-Zebrastreifen, feministische Murals oder sexistische Graffitis: Geschlechterbezogene Mikro-Interventionen prägen weltweit als unübersehbare Markierungen den gebauten städtischen Raum. Als Träger für die bildlichen, schriftlichen oder performativen Adaptionen dienen Straßen und Plätze, Hauswände, Begrenzungsmauern oder Bauzäune ebenso wie Lichtmasten, Stromkästen oder offizielle Plakatwände. Die Präsenz dieser Zeichen und körperbezogenen Praktiken ist dabei stets eine fragile, temporäre und umstrittene. Gemeinsam ist den formal wie inhaltlich heterogenen Raumpraktiken ein „Claiming Space“, das die Kategorie Geschlecht öffentlich zur Verhandlung stellt.
Über ihre Sichtbarkeit im physisch-materiellen Stadtraum hinaus stehen die Statements in unabdingbarer Wechselbeziehung zu digitalen Kommunikationsräumen wie Social Media und Internet, durch die sie gleichzeitig inspiriert, verbreitet und verstetigt werden. Mit diesen plattformurbanistischen Praktiken schreiben sich die Akteur*innen in die Produktion von Geschlecht im Stadtraum aktiv ein und treten in oft kontroverse Interaktion mit anderen Nutzer*innen sowohl des städtischen Raums als auch der digitalen Welt.
Diesem transmedialen Gefüge der wechselseitigen Verhandlung von Geschlecht und Stadtraum durch vielgestaltige Mikro-Interventionen gilt das Interesse des interdisziplinären und internationalen Forschungsnetzwerks nice*. Es widmet sich der Frage, welche geschlechterbezogenen Adaptionen im #Stadtraum präsent sind, wie sie wahrgenommen werden und welche Effekte sie auf die Definition und Stärkung von Geschlechtergerechtigkeit vor allem im städtischen Raum haben.
Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei einerseits jenen Orten und Zeichen zu, die nicht notwendigerweise von allen sozialen Akteur*innen als geschlechtergerecht im Sinne einer „fair shared city“ betrachtet werden und vor allem intersektional grundierte Kontroversen auslösen. Andererseits gilt der Blick auch den Problemlagen (wie Überwachung, Zugang zu Medien, Probleme extensiven Medienkonsums, Anonymität, Hatespeech, Datenschutz), die sich im Zuge der zunehmenden digitalen Verstrickungen in städtischen Raumnutzungen auftun.